Ein großer Erfolg für das Beisenkamp-Gymnasium Hamm: Ein fünfköpfiges Schülerteam wurde bei den „Olympiades de Sciences de l’Ingénieur 2026“ in Paris mit dem „Prix de la création solidaire“ ausgezeichnet. Prämiert wurde damit ihr innovatives „Projekt Blindsight“, das Technik in besonderer Weise in den Dienst von Kunst und Inklusion stellt.
Projekt „Blindsight“ – Technik macht Kunst tastbar
Im Mittelpunkt des ausgezeichneten Projekts steht die Idee, digitale Bilder in ein für Blinde ertastbares und gleichzeitig für Sehende visuell wahrnehmbares Format zu übertragen.
Das entwickelte System besteht aus mehreren Komponenten:
- Ein Raspberry Pi Mikrocomputer dient als Webserver. Über eine von dem Webserver zur Verfügung gestellte Webseite können Nutzer beliebige Bilder hochladen. Die Bilddaten werden anschließend von dem Raspberry Bewegungsinformationen für einen umgebauten 3D-Drucker umgewandelt.
- Der 3D-Drucker bearbeitet ein Brett mit 16 × 16 Schrauben, die je nach Helligkeitswert des Bildes unterschiedlich weit herausgedreht werden. So entsteht ein Reliefbild, das von blinden Menschen ertastet werden kann.
- Gleichzeitig werden die Schrauben mit LEDs durchleuchtet, sodass das hochgeladenen Bild auch für sehende Personen farbig dargestellt wird. Die LEDs werden von einem Arduino ESP32 Mikrocontroller angesteuert, der per Bluetooth mit dem Raspberry verbunden ist.
Damit gelingt dem System eine besondere Verbindung: Kunst wird gleichzeitig taktil erlebbar für blinde Menschen und visuell zugänglich für Sehende.
Auszeichnung für Technik im Dienst von Kunst und Inklusion
Für diese Idee erhielt das Team den Sonderpreis „Prix de la création solidaire des Olympiades de Sciences de l’Ingénieur 2026“. Die Jury würdigte damit insbesondere den gesellschaftlichen Mehrwert des Projekts: die Förderung von Inklusion durch technische Innovation.
„Blindsight“ zeigt, wie Ingenieurwissenschaften nicht nur technische Probleme lösen, sondern auch einen Beitrag zu einer inklusiveren Gesellschaft leisten können.
Der Weg des Beisenkamp-Teams nach Paris
Das Team des Beisenkamp Gymnasiums, bestehend aus Erik Eismann, Jannes Katterbach, Emily Peters, Matthias Sadowsky und Julian Schelkmann konnte bei der Erarbeitung des Projektes Blindsight auf die umfangreiche Ausstattung des FabLab Hamm-Westfalen zurückgreifen. Zur Entwicklung und Herstellung des Prototyps setzte sich das Team insbesondere mit 3D-Ducktechniken auseinander. Gecoacht wurde das Team von Lars Hupe und von Sebastian Vierhaus, dem Geschäftsführer des FabLab.
Der deutsch Vorentscheid fand bereits im März 2026 in Hamm am Campus der Hochschule Hamm-Lippstadt statt. Mit ihrem Projekt und ihrer auf Englisch gehaltenen Präsentation überzeugten das Beisenkamp-Team die Jury und belegten den ersten Platz. Damit sicherten sie sich eines von zwei deutschen Tickets für das Finale in Paris.
Ein internationaler Wettbewerb mit großer Reichweite
Die Olympiades de Sciences de l’Ingénieur (OSI) sind ein internationaler Ingenieurwettbewerb für Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe. Jedes Jahr nehmen über 800 Teams aus Frankreich und weiteren Ländern teil. Der Wettbewerb wird von der französischen Ingenieur- und Bildungsinitiative UPSTI (Union des Professeurs de Sciences et Techniques de l’Ingénieur) organisiert.
Der Wettbewerb ist mehrstufig aufgebaut:
- Zunächst entwickeln die Teams an ihren Schulen innovative technische Projekte zu einem vorgegebenen Leitthema.
- In regionalen Vorentscheiden werden die besten französischen Teams ausgewählt. Zusätzlich werden internationale Teams eingeladen.
- Das Finale fand dieses Jahr am 28.05. in Paris an der École nationale des ponts et chaussées mit über 50 Teams statt. Dort präsentieren die Teams ihre Projekte vor einer Fachjury aus Wissenschaft, Industrie und Bildung. Die Präsentation besteht aus einem 10-minütigen Vortrag und einem anschließenden 15-minütigen Zeitraum, in dem Fragen der Jury beantwortet werde müssen. Dabei muss französisch oder englisch gesprochen werden. Jedes Projekt wird nacheinander von zwei verschiedenen Jury-Teams bewertet.
Die Finalrunde gilt als hochkarätiges Treffen junger Ingenieurinnen und Ingenieure aus mehreren Ländern. Neben französischen Teams sind regelmäßig auch internationale Delegationen vertreten. Aus bisherigen und aktuellen Wettbewerbsberichten geht hervor, dass typischerweise Teams aus Ländern wie Deutschland, China, Schweden und teilweise weiteren europäischen sowie außereuropäischen Staaten teilnehmen, wobei die genaue Zusammensetzung je nach Jahr variiert.
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